Interkulturelle Kompetenz

Inhalt

  • Definitionen der Interkulturellen Kompetenz
  • Anwendung im Spanischunterricht
  • Didaktische Umsetzung
  • Die Kompetenzstufen
  • Planung einer Unterrichtseinheit
  • Forschungsprojekte
  • Hotspots, Schemata, Scripts
  • Literatur


Definitionen der Interkulturellen Kompetenz

Das Erlernen einer Fremdsprache geht über die funktionalen kommunikativen Kompetenzen hinaus mit der Auseinandersetzung kultureller Normen und Werte, sowohl in der fremden, als auch der eigenen Kultur, einher. Vor dem Hintergrund der Ausrichtung des modernen Fremdsprachenunterrichts, der die Handlungs- und Kommunikationsbefähigung der Schülerinnen und Schüler fördern soll, verwundert es nicht, dass also weitere kulturspezifische Kompetenzen ausgebildet werden müssen. Diese unterscheidet der GeR in (vgl. Nieweler, 2006, S. 232):
  • Savoir: Hierunter fällt das deklarative Wissen über die spanischsprachigen Länder und ihre geographischen, ökologischen, demographischen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Merkmale.
  • Savoir-être: Damit sind die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler gemeint, die sie den zielsprachlichen Kulturen entgegenbringen, und die einerseits durch Offenheit für neue Erfahrungen und andere Weltanschauungen, andererseits durch die Bereitschaft, die eigene Perspektive zu hinterfragen und relativieren, gekennzeichnet sein sollen.
  • Savoir-faire: Hierunter versteht man die Fähigkeit, die Zielsprache auch vor dem Hintergrund sozialer Konventionen und Register passend anwenden zu können.
Aus dieser Aufgliederung können wir schließen, dass sich also auch die Interkulturelle Kompetenz im Sinne des handlungsorientierten Kompetenzbegriffes nicht in Landes- und Realienkunde erschöpft, die bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Schulen praktiziert werden (vgl. Nieweler, 2006, S. 233), sondern nun vielmehr im Dienste der Völkerverständigung und im Zusammenhang mit der europäischen Einigung zu gegenseitigem Austausch beitragen soll. Dazu muss Interkulturelle Kompetenz folglich sowohl rezeptive als auch produktive Kompetenzen miteinschließen. Zu der kognitiven Ebene der Interkulturellen Kompetenz kommen also eine affektive und eine pragmatisch-kommunikative Teilkompetenz hinzu (vgl. Bär, 2019, S. 96), die z. B. die Herausbildung von Empathie und den Einsatz von Konfliktbewältigungsstrategien bedeuten können und zu Toleranz und einem friedlichen Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft beitragen sollen. In Abgrenzung zur Kulturkunde des 20. Jahrhunderts versucht der moderne Fremdsprachenunterricht seit der landeskundlichen Wende die Zielkultur nicht mehr als einheitliches Konstrukt aufzufassen, sondern als System verschiedener dynamischer Konzepte und Überzeugungen zu begreifen, die in kulturellen Produkten sichtbar werden (vgl. Bär, 2019, S. 94). Beobachtbar ist Kultur folglich nur in der sozialen Interaktion und auf der materialen Ebene (z. B. Medien, Texte, Bilder...), die als Handlungsfelder der Interkulturellen Kompetenz begriffen werden. Interkulturelle Kompetenz stellt also die Befähigung für Fremdverstehen und bereichernden Dialog in einer globalen Gesellschaft dar. Bär (2019, S. 93) unterscheidet dazu vier Leitmotive der Interkulturellen Pädagogik:
  • Gleichwertigkeit aller Menschen ungeachtet ihrer Herkunft
  • Respekt für andere Kulturen
  • interkulturelles Verstehen
  • interkultureller Dialog
Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler nicht zuletzt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu Toleranz und der Wertschätzung von kultureller Vielfalt gefördert werden.


Anwendung im Spanischunterricht

Im Hinblick auf die interkulturelle Kompetenz sollten im Unterricht folgende Aspekte berücksichtigt werden:
  1. Subjektorientierung: Die Persönlichkeit des Lerners erweitern und bilden, durch z.B. die Einbeziehung der subjektiven Sprachlernerfahrungen, die Sensibilisierung für Andersartigkeit und die Akzeptanz sowie Toleranz kultureller Verschiedenheit
  2. Prozessorientierung: Eigenes und Fremdes in Beziehung setzen können, der Erwerb kulturellen Orientierungswissens, reflektierter Umgang mit verschiedenen Perspektiven und der kreative und prozessorientierte Umgang mit literarischen Texten, Bildern, Filmen, Musik usw.
  3. Interaktionsstrategien und Handlungsorientierung: Das Erlernen sprachlicher und nicht-sprachlicher Verständigung, Entwicklung von Interaktionsstrategien zur Verhinderung und Korrektur von Missverständnissen, sowie Kommunikation als Aufbau sozialer Handlungskompetenz.
Der Unterricht sollte in dieser Hinsicht durch eine Fokussierung auf kulturell bedeutsame Texte, Bilder oder Medien die kreativen Fähigkeiten fördern.


Didaktische Umsetzung

Genaue Umsetzungsmöglichkeiten im Spanischunterricht wären beispielsweise die Aufgabe einer Hypothesenbildung zu Handlungsabläufen in literarischen Texten beziehungsweise Bildgeschichten. Dafür eignen sich insbesondere Texte oder Bilder mit einem hohen Identifikationspotenzial, da sie die Lerner emotional ansprechen und ihre Empathiefähigkeit fördern. Ebenfalls förderlich ist das Erzählen einer Geschichte aus verschiedenen Perspektiven oder das narrative Ausfüllen von Lückentexten. Auch kann man sich im Untrerricht mit Vorurteilen und Stereotypen über Deutschland und Spanien oder anderen spanischsprachigen Ländern beschäftigen, um die Schülerinnen und Schüler vor interkulturellen Missverständnissen zu sensibilisieren.

Folgende Verfahren sind insgesamt für eine interkulturelle Sensibilisierung und Wahrnehmungsschulung im Spanischunterricht durchführbar und zu beachten:
  • Aktivierung von Lernerwissen und Erwartungsaufbau
  • lernorientierte Themen- und Textsortenwahl
  • Arbeit an subjektiv bedeutsamen Texten mit Identifikationspotenzial
  • Hypothesenbildung zu Handlungsabläufen und Verhaltensmustern in literarischen Texten
  • Analyse von interkulturellen Missverständnissen und Reflexion über die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten
  • Beschäftigung mit eigenen Vorurteilen und Stereotypen gegenüber Spanien
  • Beschäftigung mit dem spanischen Deutschlandbild
  • Wahrnehmungsschulung mit offenen Bildern
  • Hypothesenbildung und soziokulturelles Kontextualisieren von Bildern oder Bildausschnitten
  • Assoziationen zu Begriffen und Begriffsfeldern und Aufdecken kultureller Konnotationen
Nieweler (2006, S. 233f.) unterscheidet darüber hinaus drei Ansätze, über die Interkulturelle Kompetenz Einzug in das Unterrichtsgeschehen halten kann:
  • phänomenologisch: Landeskunde kann diesem Ansatz zufolge durch den Kontakt mit der Zielkultur, etwa durch Schüleraustauschprojekte, erschlossen werden.
  • sozialwissenschaftlich: Auf einer abstrakteren Ebene fällt unter den Terminus der Interkulturellen Kompetenz auch die Auseinandersetzung mit politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen und Fragestellungen in den Zielkulturen.
  • sprachbezogen: Der sprachbezogene Ansatz hinterfragt den kulturellen Gehalt von Sprache, die Ausdruck der Lebenswirklichkeit ist.


Die Kompetenzstufen

Planung einer Unterrichtseinheit

  • Schritt 1: Das Lernziel festlegen
-> Basierend aus den Interessen und dem Förderbedarf der Lernenden, sowie deren Stand im Lernprozess resultiert die intendierte Kompetenzerweiterung (das Ziel der Stunde)
-> Von diesem Ziel ausgehend wird die Stunde geplant
-> Lehrpersonen müssen antizipieren können was SuS leisten können bzw. sollen und wie der Kompetenzaufbau überprüft werden kann.
Bsp.: 1. Lernjahr: SuS erweitern und konsolidieren ihre dialogische Sprechkompetenz, indem sie Vorlieben und Abneigungen ausdrücken und dabei Redewendungen wie prefiero/ no me gusta verwenden
  • Schritt 2: Lernziel wissenschaftlich analysieren 
-> Nachweis der wissenschaftliche fundierten Kenntnisse des Unterrichtsziels
-> Das Hauptziel der Stunde muss analysiert werden
-> Das Lernziel wird wissenschaftlich beleuchtet und allgemein dargestellt und analysiert
Bsp.: Dialogisches Sprechen: Aufbau und Ablauf eines Dialogs, Analyse von Sprachproduktionsmodellen. 
  • Schritt 3: Das Lernziel didaktisch analysieren
-> Basierend auf der Lernausgangssituation und einer Analyse der Lernchancen entscheidet die Lehrperson, welcher Abschnitt des in der Sachanalyse dargestellten Lernziels in welcher sprachlichen Komplexität Inhalt der geplanten Reihe/ Stunde sein soll.  
-> Was sollen die SuS erkennen, lernen, üben?
- Für die Unterstützung des Spracherwerbs ist ein Erwartungshorizont hilfreich:
-> Was sollen die SuS sagen, schreiben, verstehen?
-> Didaktische Reduktion notwendig?
-> Welche sprachlichen Mittel sind vonnöten?
  • Schritt 4: Unterrichtsthema festlegen: 
- Lohnt sich die Beschäftigung mit diesem Unterrichtsthema für die Lernenden?
- Entspricht das Angebot der Lebenswelt der SuS?
- Ist der Inhalt wichtig für ihr Leben?
- Die gewählten Inhalte müssen eine Gegenwarts-, Zukunfts-, und exemplarische Bedeutung aufweisen und einen hohen Aufforderungscharakter haben 
  • Schritt 5: Unterrichtsreihe/-stunde strukturieren
- Verlaufsplanung: Wann wird was gemacht?
Wie viel Zeit plane ich ein?
Wer arbeitet mit wem?
Welche Medien werden genutzt?
Lehrerzentriert bzw. SchülerInnenzentriert
- Trotz Planung kann es erforderlich sein, in der jeweiligen Stunde von der Planung abzuweichen
-> Gleicht nicht dem Scheitern, sondern zeigt, dass die Lehrperson situativ auf die Bedürfnisse der SuS eingehen kann
  • Schritt 6: Zeit und Raum - Gegebenheiten ausloten
- Zeitliche und räumlichen Gegebenheiten ausloten, da diese den Unterricht beeinflussen können 
- Hilfreiche Fragen:
-> Einzel- oder Doppelstunde?
-> Pause zwischen den Stunden
-> Vormittags- oder Nachmittagsunterricht?
-> Folgt die Stunde auf eine Klassenarbeit oder Sportunterricht?
-> Tischordnung
  • Schritt 7: Methoden, Medien und Sozialformen auswählen 
- Förderung der Selbstständigkeit der Lernenden
- Methoden haben dienende Funktion
-> Kennzeichnen und strukturieren Unterricht
-> Wahl der Methode abhängig vom wichtigsten Ziel der Stunde

Forschungsprojekte

  • Inwiefern kann der interkulturelle Unterricht dazu beitragen, dass jede Meinung bzw. Sichtweise gleichwertig behandelt und akzeptiert wird? Wie kann damit emotionale Beeinträchtigung vermieden werden?
  • Welche Rolle spielt der Einsatz der Körpersprache bei der Vermittlung der interkulturellen Kompetenz? (z.B. Körperdistanz- und Haltung, Mimik, Berührungen, Blickkontakt)
  • Die interkulturelle Kompetenz soll die Subjektivität kultureller Perspektiven auf die eigene und fremde Kultur fördern. Wie können stereotype Darstellungen vermieden werden bzw. der konstruktive Umgang damit gefördert werden?
  • Wie können Lernschwierigkeiten benachteiligter SuS, beispielsweise bei Schwierigkeiten ihre eigene kulturelle Perspektive zu erfassen, bei der Vermittlung der interkulturellen Kompetenz berücksichtigt werden?
  • Welche Rolle spielt die authentische Aussprache der Zielsprache der Lehrkraft bei der Vermittlung der interkulturellen Kompetenz?
  • Inwiefern und in welcher Art können Auslandsbeziehungen und -Programme durch digitale Medien den interkulturellen Unterricht bereichern?


Hotspots, Schemata, Scripts

Literatur
Bär, M. / Franke, M. (2019): Spanisch Didaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin: Cornelsen, 2. Auflage.
Nieweler, A. (2006): Fachdidaktik Französisch. Tradition, Innovation, Praxis, Stuttgart: Klett.